Facebook für Kleinunternehmer, Freiberufler und Praxen

Facebook? Diese Austauschbörse über Belanglosigkeiten? Warum soll ich mit meinem Unternehmen dort präsent sein? Oder sogar Werbung schalten? Keine Zeit, kein Geld für solche Spielereien, ich muss mein Gewerbe zum Erfolg bringen.

Zugegeben, der Start von Facebook gestaltete sich in Deutschland keineswegs einfach. Das ist das, was Bundeskanzlerin Merkel (wahrscheinlich) mit “#Neuland” meinte. Jede technologische Neuigkeit wird, in der Regel anfangs von wenigen Begeisterten aufgegriffen wird, und erst Monate oder Jahre später wird ein Mehrwert für den Massenmarkt generiert.

Ein Beispiel hierzu: die ersten Smartphones, die heute aus dem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Man bedenke, dass die Telefonfunktion mittlerweile nur ein nettes Beiwerk ist. Auch in der Automobilindustrie kann man sehen, wie neue technologische Errungenschaften (ABS, elektrische Scheibenheber, Airbags, Navigationssysteme, 2-Antennen-Radios, CD-Player) Jahrzehnte brauchen, um zum Standard zu werden.

Ein paar Fakten zu Facebook:

Das Netzwerk ist auf jetzt 1,44 Milliarden Nutzer gewachsen, davon sind 1,25 Milliarden mobil online, 800 Millionen nutzen ‪#‎whatsapp‬ und 300 Millionen den Service von ‪#‎instagram‬.

Zum Vergleich: Deutschlands stärkste Tageszeitung hat 2.219.871 Käufer.

Im Neuland hinken wir den digitalen Entwicklungen, im Vergleich zu Amerika und Asien Jahre hinterher. Während ebendort das Thema “Search Engine Optimization” (SEO) so gut wie gestorben ist, sprießen Myriaden von SEO-Beratern hierzulande wie die Pilze aus dem Boden.

Es ist wohl auch dem “Duden” zu schulden, dass deren Suchmaschine in keinem Land der Welt, eine ähnlich hohe Marktdurchdringung hat, wie in Deutschland. In vielen Gesprächen mit Unternehmern stelle ich fest, dass es in deren Kopf nur noch eine Suchmaschine gibt und die muss jetzt optimiert werden. Geld spielt zwar eine Rolle, aber nicht so wirklich, jedenfalls wird fast jeder Preis gezahlt.

Zumindest erst einmal, beziehungsweise solange bis jemand aus dem Bekanntenkreis die farbigen Berichte hinterfragt. Durchschnittlich 100 Besucher im Monat auf der Internet-Seite? Lohnt es sich hier für eine Suchmaschine zu optimieren? Die seriösen SEO-Optimierer versprechen zwischen 20% und 30% mehr Besucher. Machen Sie doch die Rechnung bitte selber auf … Für das Budget können Sie einfach Werbung auf Google schalten, und das hilft Ihnen, unterm Strich, zielgerichteter Ihre Klientel anzusprechen.

Oder aber Sie investieren Geld in andere Plattformen, wie z.B. Facebook. Natürlich ist Facebook immer noch für viele ein teilweise abenteuerliches Medium. Auch wenn es die Geschäftsbedingungen verbieten, gibt es zahlreiche Fantasie-Profile, es werden Beiträge und Bilder öffentlich zur Schau gestellt, die dort mit gesundem Menschenverstand nicht hingehören.

Eine Sache, die in Europa und insbesondere in Deutschland, gerne übersehen wird, ist, dass sich zunehmend mehr Interessengruppen auf Facebook bilden. Was früher in Foren diskutiert wurde, findet jetzt auf Facebook statt. Auch die klassische Mundpropaganda verlagert sich zu einem großen Teil nach Facebook. Stichwort: “Kennt jemand hier einen preiswerten und zuverlässigen Gärtner?”.

Dadurch, dass fast alle bekannten Großunternehmen mittlerweile auf Facebook sind, dient die Plattform zunehmend als Informationsportal für Artikel und Dienstleistungen.

Der Vorteil für den Konsumenten besteht darin, dass man Empfehlungen von Freunden bekommt, und auch über das Benutzer-Feedback von Kunden das Produkt oder die Dienstleistung des Anpreisenden besser einschätzen kann. Im Umkehrschluss bekommen die Unternehmen durch die Kommentare eine zeitnahe Rückmeldung von den Nutzern und den Interessenten.

Daran gewöhnt man sich als Kunde, und in der Schlussfolgerung sucht man nun auch nach kleineren Betrieben, Arztpraxen, Rechtsanwälten, Steuerberatern, usw. Leider wird man aber in Deutschland (noch) relativ selten fündig.

Das ist erstaunlich, da die Kosten für eine Darstellung der Firma auf Facebook minimal sind. Facebook selber verlangt dafür keinen Cent und plant das auch nicht in Zukunft. Facebook stellt die gesamte Infrastruktur und Software kostenfrei zur Verfügung. Sie müssen einzig Inhalte (Texte, Bilder, Filme) liefern. Sollten Sie eine Affinität für das Thema zeigen, ist eine erste Seite in wenigen Stunden aufgebaut.

Wenn Sie keine Muse besitzen, dann wird Ihnen jede Agentur (oder ein Student, oder ein Familienmitglied) die Seite für kleines Geld einrichten. Es ist nicht viel schwerer, als eine E-Mail zu schreiben. Der Haupteinsatz ist Zeit um sich zu überlegen, wie der Auftritt im Wesentlichen gestaltet wird. Dadurch, dass die Gestaltungsmöglichkeiten recht limitiert sind (Texte, Bilder, Filme), reduziert sich die Arbeit auf ein strategisches und redaktionelles Konzept. Logos und anderes Bildmaterial liegen heute in der Regel meistens schon digital vor, oder aber man kann sie einfach und rasch selber erstellen.

Warum bietet Facebook diesen Service überhaupt kostenlos an? Zum einen ist das Unternehmen interessiert, dass Sie später einmal Werbung bei Ihnen schalten und zum anderen lebt Facebook davon, dass sämtliche Benutzer einen Mehrwert erhalten. Das ist übrigens bei Suchmaschinen nicht anders. Suchmaschinen und Facebook sind nur dann als Dienstleister (und Werbeplattform) überzeugend, wenn die gefundenen Ergebnisse der Erwartung des Kunden entsprechen, und ihm einen Mehrwert geben.

Die Ergebnisse müssen besser und vollständiger sein, als die des Mitbewerbers und sie müssen für den Konsumenten relevant sein. So kann zum Beispiel ein Vorteil darin liegen, dass der Benutzer erfolgreich von einem Produkt seiner Träume gewarnt wird. Das ist ein weiterer Grund auf Facebook zu sein. Wissen Sie ob Ihr Angebot und Ihr Betrieb nicht schon heute auf Facebook schlecht gemacht wird? Unwissenheit schützt vor Strafe nicht …

Zum anderen wird Facebook in Zukunft vermehrt, auf Geschäfte, Produkte und Dienstleistungen in der Umgebung hinweisen. Umgekehrt wird es Unternehmern auf potenzielle Kunden hinweisen. Durch die Nutzung auf mobilen Geräten, wissen Firmen wie Facebook, wo sich der Nutzer aufhält und umgekehrt welche Betriebe im Umkreis ansässig sind. Es gehört nicht viel dazu, sich vorzustellen, dass einem Facebook zukünftig nach dem Besuch einer Arztpraxis die nächstgelegene, offene Apotheke anzeigen wird. Oder aber die Apotheke, die zudem noch die Pastillen im Angebot führt, zu denen sich der Verbraucher am Vortag im Internet erkundigte. Oder aber die Apotheke, die auf dem Weg zum Physiotherapeuten liegt (da Facebook gelernt hat, dass 80 Prozent der Praxisbesucher, danach zum Physiotherapeuten gehen).

Das gelingt aber nur, wenn diese Empfehlungen von Facebook beiden Parteien helfen. Der Unternehmer X möchte nicht, dass sein Geschäft mit Kundengruppe Y verstopft wird, die überhaupt kein Interesse an den Produkten von X hat. Umgekehrt wird der Kunde X enttäuscht sein, wenn ihm die Bäckerei Y empfohlen wird, bei der stadtläufig bekannt ist, dass sie nicht die besten Brötchen in der Gegend bäckt (auch wenn die Facebook-Seite der Bäckerei, die beste Facebook-Seite in der Branche ist).

Aus diesem Grund analysiert Facebook genau, welches Klientel den “Gefällt-mir Knopf” drückt, was die Kommentare aussagen, wie “vertrauenswürdig” eine Seite ist. Facebook besitzt ein hohes Interesse daran, die passenden Menschen und Firmen zusammenzubringen, da nur so das eigene Geschäftsmodell in Zukunft funktionieren wird.

Eric Schmidt, der Aufsichtsratsvorsitzende von Google Inc., prohpezeite im Januar dieses Jahres, dass das Internet, wie wir es heutzutage kennen, verschwinden wird. Das klingt naiv und unwahrscheinlich, aber ich bin mir sicher, er behält recht.

Immer mehr Geräte, nicht nur Menschen, sind miteinander vernetzt und dieser Trend steht erst am Anfang. Schon heute kann man beobachten, dass der mobile Benutzer nur vereinzelt den Browser auf seinem Smartphone nutzt, sondern mehrheitlich verschiedene mobile Applikationen. Wetter-Applikationen, Zeitungs-Applikationen, Logistik-Tracker, Einkaufs-Applikationen, Bewertungsportal-Applikationen usw. stellen in der mobilen Welt die Eintrittsportale für einen Grossteil der Suchanfragen da, nicht mehr die Suchmaschinen.

In dieser Auflistung darf auch Facebook nicht fehlen. Längst wird Facebook nicht nur dazu benutzt, den Kontakt mit Freunden und Bekannten zu halten. Updates von Zeitschriften, Medienanstalten, ob als offensichtliche Werbung oder versteckterer Reklame befriedigen den Informationsbedarf. Wer hier nicht mitspielt, hat unter Umständen schon (bald) verloren.

Wenn Sie am Anfang dieses Artikels skeptisch waren, dann ist es mir sicher noch nicht gelungen, das zu ändern. Deswegen noch ein paar Beispiele. Nehmen wir eine digital eher konservative Stadt wie München, im schönen, aber konservativen Bayern:

Die Polizei München betreibt eine sehr informative Facebook-Seite. Die Abendzeitung berichtet auf Facebook über den Klatsch und Tratsch der Stadt. Bayern3 veröffentlicht weitergehende Informationen zu Ihrem Programm ebendort … Umgekehrt fehlen Stand heute zahlreiche Angebote, der MVV München ist zum Beispiel (noch) nicht vertreten. Die Stadtwerke München wiederum sind schon sehr aktiv vertreten. Es ist wichtig anzumerken, dass diese Seiten alle öffentlich sind, das heisst auch zugänglich sind für Nutzer, die nicht auf Facebook angemeldet sind.

Eventuell nutzen Sie solche Angebote selber nicht und Sie hören das erste Mal davon. Das heisst aber nicht, dass Sie es sich leisten sollten, das Faktum zu ignorieren, dass immer mehr hochwertige Inhalte aus dem Facebook-Universum heraus zu erreichen sind.

Längst ist Facebook für zahlreiche Benutzer das Eingangsinformationsportal. Dadurch, dass man eigene Applikationen auf der Facebook-Plattform entwickeln kann, wird sich dieser Trend der Konsolidierung in Zukunft noch rasanter fortsetzen und zusätzlichen Mehrwert schaffen. Der natürliche Herdentrieb wird das Ganze zusätzlich befeuern.

Vor wenigen Monaten glänzte die Bundesregierung mit ihrem gelungenen Facebook-Auftritt. Das ist natürlich clever, sich ohne die lästige Presse direkt an das Volk zu wenden. Aber eben solche Informationsangebote binden zunehmend mehr Menschen an Facebook. Und deswegen ist es von so großer Bedeutung, dass man als Unternehmer ebendort präsent ist.

Man muss Facebook nicht mögen, aber man sollte sich auch nicht vor Trends versperren. Das verhält sich in der klassischen Werbung ähnlich. Gewiss inserieren Sie erfolgreich im Lokalblättchen, obwohl Sie das Käseblatt selber nie lesen, oder der Inhalt Sie nicht interessiert. Aber Sie wissen, dass Ihre potenzielle Kundschaft die Zeitung gerne konsumiert. Den Erfolg der Werbemassnahmen konnten Sie jahrelang messen. Bei Facebook ist es nicht anders. Sie bekommen (auch kostenlos) zahlreiche Basismittel um zu messen, wie erfolgreich Ihr Auftritt ist. Gegen Entgelt (Werbung) gibt es natürlich qualitativ bessere Berichte.

Facebook und andere Plattformen stehen immer noch am Anfang. Da ein Auftritt jedoch ohne Betreiberkosten verbunden ist, kann man mit überschaubaren Budget Teil dieses Systems werden. Gehören Sie auch zu denjenigen, die das klassische Internet verschlafen haben? Nervt es Sie bis heute, dass der Mitbewerber die bessere Internetaddresse bekam? Bei Facebook ist das auch nicht viel anders. Sie bekommen eine Adresse nach dem Format Facebook.com/IhreSeite, oder eben halt Ihr Mitbewerber. Jedenfalls kann ein Stichwort, weltweit lediglich ein einziges Mal vergeben werden, der Erste gewinnt und wer zu spät kommt, den straft das Leben. Das für sich kann Grund genug sein, sich schnellstmöglich mit dem Thema zu beschäftigen.

Da die Nutzung kostenlos ist, sollte man den Trend meines Erachtens nicht verschlafen und aktiv teilnehmen, um dann die Möglichkeiten für den eigenen Betrieb auszuloten.

Machen Sie aber bitte nicht den Fehler auf Ihrer professionellen Facebook-Seite die selben Inhalte einzupflegen, wie auf einer privaten Seite. Bleiben Sie professionell und sorgen Sie dafür, dass Ihr Inhalt redaktionell zu den Werten Ihres Unternehmens passen. Beginnen Sie mit einer Meilenstein-Darstellung der Geschichte Ihres Betriebes und nutzen Sie möglichst viel Bildmaterial. Damit haben Sie einen Grundstock, den Sie nach dem “Go-Live” gezielt mit Ihren Produkten und Dienstleistungen bereichern können.

Wenn Sie weitere Fragen haben, dann stellen Sie diese bitten in den Kommentaren oder kontaktieren Sie uns über die anderen Kanäle im Impressum. Viel Erfolg!

Jeannot Muller

Entrepreneur, developer, author.

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