Arztpraxis 4.0

Arztpraxis 4.0

Der Ratgeber für die digitale Transformation von Arzt- und Zahnarztpraxen.

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Man kann von Social Media halten, was man möchte, aber der Druck sich auch als Praxis-Inhaber den neuen digitalen Herausforderungen zu stellen, wächst stetig. Dieses Buch stellt die neuen Möglichkeiten im Internet vor, und führt Sie an der Hand durch den Dschungel der neuen digitalen Welt.

Es wird Wert darauf gelegt, alles in einer einfachen, dem Mediziner vertrauten Sprache zu erklären. Ziel dieses Ratgebers ist es, Sie fit zu machen in Zukunft die richtigen Entscheidungen für Ihre IT zu treffen und für sich, den maximalen Nutzen, aus den neuen Möglichkeiten zu ziehen.

Die Vorstellung Werbung machen zu müssen, löst bei den meisten Zahnärzten und Ärzten Unbehagen aus. Oftmals wird es gleichgesetzt mit den Kollegen aus der plastischen Chirurgie und „Botox”-Werbekampagnen in Magazinen.

Jahrzehntelang, war Werbung für Arztpraxen tabuisiert. Wir haben uns ausbilden lassen, um Menschen zu helfen, und das steht für die meisten Kollegen natürlich und zurecht, immer noch im Vordergrund.

Allerdings hat sich der Gesundheitsmarkt geändert und er wird sich auch weiterhin ändern. Viele Zusatzleistungen (die sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen – IGeL) werden von den Kassen nicht bezahlt und der Patienten wird, zumindest in diesem Bereich, zum „Kunden”.

Der Patient ist, auch wegen den zahlreichen Online-Informationsportalen, Gesundheitsberatern und „Work-Life-Balance-Coaches“, mündiger geworden und immer häufiger an Präventionsmaßnahmen interessiert. Er ist auch bereit, dafür selber zu investieren.

Umgekehrt verlangt das Betreiben einer Praxis in den letzten Jahren, durch gesetzliche Auflagen, wie Dokumentationspflicht, Datensicherheit, Aufbewahrungspflichten, Qualitätsmanagement usw. immer mehr nach einem betriebswirtschaftlichen und unternehmerischen Denken und Handeln. Beides wird uns im Studium nicht beigebracht. Marketing und Self-Branding sind nur eine Komponente von betriebswirtschaftlichem Handeln, aber unerlässlich.

Fast jede Praxis beschäftigt heute Personal. Es gibt Kooperationen im Einkauf, Partner mit denen man zusammenarbeitet. Die Praxis wurde gekauft oder wird angemietet. Der Praxisbetrieb bedarf einer soliden und effizienten IT. Mikroskope, Ultraschallgeräte, digitale Röntgen, Behandlungsmöglichkeiten mit Laser, werden immer häufiger zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Die ganzen Maßnahmen erfordern hohe Investitionen und einen Business-Plan. Es ist völlig legitim, dass man im Umkehrschluss auch dafür sorgen muss, genug Patienten zu bekommen. Nur dann können Sie die Investitionen amortisieren, das Personal langfristig entlohnen, und für Sie selber einen Gewinn erwirtschaften.

Gleichzeitig lohnt es sich, altbewährte Prozesse in der Praxis zu überdenken und zu optimieren. Jeden EUR, den man an unnötigen Druckkosten optimiert, kann in sinnvollere Werbemaßnahmen investiert werden. Das Personal sollte sich nicht mit zeitaufwendigen Arbeiten beschäftigen, die über EDV automatisiert werden können. Und letztlich muss sichergestellt werden, dass das Herzstück einer Praxis, die Praxis-Management-Software ausfallsicher ihren Dienst verrichtet.

Zu guter Letzt, gilt es in der Konsequenz auf dem „Markt” sichtbar zu sein! Nur wenn Ihre Dienstleistungen gefunden und geschätzt werden, bekommen Sie auch in Zukunft weiterhin neue Patienten.

Dazu muss man die modernen Möglichkeiten im Internet kennen, und dieser Ratgeber wird Ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen für Ihre Praxis zu treffen.

Inhalt

Vorwort
Widmung
Danksagung
EINFÜHRUNG
1. Rechtliche Rahmenbedingungen
2. Was bedeutet Praxis 4.0?
DIE PRAXIS IM INTERNET
3. Was macht eine gute Web-Seite aus?
4. Was und wen will ich erreichen?
5. Wie werde ich erfolgreich?
6. Wie messe ich den Erfolg?
7. Wo fange ich an?
8. Mehrsprachigkeit
9. Design: Einfach ist nicht simpel
10. Authentisch sein
11. Erklären und unterhalten
12. Mobil und sicher
13. Multimedial und barrierefrei
14. Welches Tool soll ich benutzen?
15. Die richtige URL für meine Seite
16. Wie finde ich einen guten Berater oder eine gute Agentur?
17. Kosten für eine Homepage
18. Pflichtangaben Impressum
19. Urheberrecht
20. Abmahnungen
SUCHMASCHINEN
21. Kann ich Suchmaschinen optimieren?
22. Warum werde ich nicht gefunden?
23. Was bringt mir Online Werbung?
SOCIAL MEDIA
24. Warum Social Media?
25. Multi-Channel Marketing
26. Ideen für Inhalt und für die Interaktion
27. Wie gehe ich mit Bewertungsportalen um?
28. Expertennetzwerke
MODERNE PRAXIS IT
29. Welche Praxis-Software nutzen?
30. Datensicherungskonzept
31. Prophylaktische IT-Massnahmen
32. Fernwartung- und Fernzugang
33. ASP-Lösungen
34. Was ist mit „Cloud”?
DIE PAPIERLOS(ERE) PRAXIS
35. Elektronische Anamnese und Aufklärung
36. Vorteile der Digitalisierung
37. Es geht auch um Patientenzufriedenheit
NACHWORT

Beispiel-Kapitel 29

Welche Praxis-Software nutzen?

Die Entscheidung für die richtige Praxis-Software wird in der Regel einmalig und am Beginn einer Praxisführung unternommen. Wenn Sie eine Praxis übernehmen, oder neu gründen, dann stehen sie meistens vor größeren Investitionen. In der Regel werden Sie die Chance nutzen die Räumlichkeiten zu renovieren und zukunftsweisend zu gestalten. Im Zuge der anstehenden Trockenbau-Arbeiten, werden Sie für eine ausreichende Netzwerk-Verkabelung sorgen, usw.

Entweder ist noch keine EDV vorhanden, oder aber Sie wollen mit einer neuen Software beginnen und migrieren das Alt-System häufig nur auf Bedarf, Patient per Patient, ohne eine teure Migration der Altdaten-Bestände in Auftrag zu geben.

Nur welche Software ist nun die Richtige? Anbieter gibt es wie Sand am Meer. Die Preise und Funktionen, verteilen sich nach einer Gaußchen Kurve: Wenige, sehr preiswerte Anbieter mit reduzierter Funktionalität, wenige sehr teure Anbieter, die fast alles Mögliche anbieten, und dann ein sehr grosses Mittelfeld mit „normalen“ Preisen und unterschiedlichem Funktionsumfang.

Letztlich ist es immer eine fachliche Entscheidung und natürlich müssen Sie auch mit dem Programm harmonieren können und umgekehrt. Was nützt Ihnen die beste Software, wenn Sie ungern damit arbeiten möchten?

Aus meiner Beratungstätigkeit weiß ich jedoch, dass sich die meisten Kollegen vornehmlich vom Preis leiten lassen. Gewissermaßen ist das verständlich, da bei einem Praxisumbau sehr schnell Kosten im fünfstelligen Euro Bereich entstehen und jedwede Zusatzinvestitionen weh tut.

Dabei wird aber häufig der Funktionsumfang vergessen. Mit Funktionsumfang meine ich nicht nur die eigentliche Software, sondern wichtige Aspekte wie Support und Wartung.

Zahlreiche Praxis-Software wurde in den Neunziger von selber von Zahnärzten und Ärzten entwickelt. Der Markt hat damals wenig bis nichts angeboten. Viele Kollegen haben Ihre eigenen Lösungen dann irgendwann vermarktet. Teilweise wurde die eigene Tätigkeit aufgegeben und eigene Firmen gegründet. Wiederrum andere, habe die Software lizenziert und sich wieder um ihre eigene Praxis gekümmert.

Für mich persönlich, wäre die Größe des Anbieters ein sehr wichtiges Entscheidungskriterium. Egal welche Software Sie kaufen werden, Sie möchten diese, viele Jahre nutzen können. Da heißt, dass Änderungen vom Gesetzgeber und Kostenträgern ihren Weg in Aktualisierung finden müssen. Auch neue Peripherie und neue Betriebssysteme müssen unterstützt werden. Wird ein Ein-Mann-Betrieb das wirklich in 5 Jahren noch bewältigen können?

Häufig fällt es einem, als Praxisgründer schwer, abzuschätzen welche Funktionen man wirklich in Zukunft brauchen wird. Teilweise geben die Kammern Auskunft, oder man fragt Kollegen über Ihre Erfahrungen.

Die mittelgroßen, bis großen Anbieter vereinbaren in der Regel auch gerne einen Termin vor Ort, um die Kompetenz Ihrer Lösung zu demonstrieren. Das ist sinnvoll investierte Zeit, da man ein rundes Bild bekommt, was der Markt bietet und auch ein Gefühl dafür bekommt, ob der Anbieter zu einem passt.

Kleinere Anbieter bieten meistens kostenlose Demo-Versionen an. Nach dem man die Funktionen der größeren Firmen kennengelernt hat, ist man in der Regel gerüstet, die preiswerteren Lösungen besser evaluieren zu können.

„Daten sind die neue Währung!“ Diesen Satz sollten Sie bitte verinnerlichen. Meiner Ansicht nach sind Analyse-Fähigkeiten von Software-Lösungen, ein sehr wichtiges Entscheidungskriterium. Können Sie z.B. einfach analysieren, welche Therapien den größten Umsatz machen? Welche den besten Gewinn generieren. Welche Behandlungen, bei welchen Patienten länger gedauert haben, und warum?

Schnittstellen sind ein weiteres wichtiges Kriterium. Können Sie Terminerinnerungen aus dem System heraus per SMS verschicken? Lässt sich Ihr digitales Röntgen/OPG integrieren? Können Sie Adressdaten einfach exportieren für Flyer, oder Weihnachtskarten? Vielleicht wollen Sie Ihren Patienten zum Geburtstag gratulieren, bekommen Sie täglich eine Liste der Geburtstagskinder angezeigt? Wie steht es um die Integration ins Online-Banking, oder zu Abrechnungszentren? Am Anfang werden Sie solche Funktionen unter Umständen nicht benötigen, bzw. sie können sich organisatorisch behelfen. Mit steigendem Wachstum, sind das aber die wichtigen „Helferleins“, die Ihren Praxisbetrieb automatisieren, und Ihre Mitarbeiter entlasten, damit diese wichtigeren Tätigkeiten nachgehen können.

Fast jede Praxis-Software kommt mit jährlichen Service-Verträgen. Bedenken Sie jedoch, dass ein höherer Anschaffungspreis meistens nur eine einmalige Investition ist. Natürlich haben aber auch die Service-Verträge unterschiedliche Kosten. Aber, wieso zahlen Mitbewerber diesen Preis, wieso benutzen nicht alle die billigste Lösung, auf dem Markt? Fragen Sie doch bitte auch die Hersteller, nach Ihren Erfahrungen der Amortisierung der Kosten in den Praxen, die sie beliefern.

Sie werden oft erkennen, dass manchmal ein höheres Investment in eine teurere Lösung, unter dem Strich billiger sein kann, als sich mit einer Insel-Lösung herumzuschlagen.

Vergleichen Sie es einfach mit dem Autokauf. Ein alter Polo bringt Sie auch zur Arbeit, genauso wie ein Phaeton, oder eben halt ein Passat. Beim alten Polo, haben Sie sicher höhere Verbrauchswerte, und er muss wahrscheinlich häufiger zur Werkstatt, beim Phaeton haben Sie den besten Support, der sich aber wohl nur lohnt, wenn Sie lange Strecken fahren. Beim Passat treffen Sie wahrscheinlich am effektivsten die Balance zwischen Investition und Zuverlässigkeit, Nutzen und Betriebskosten.

Wie auch immer Sie sich entscheiden, es ist wichtig, dass sie diese Entscheidung frühmöglichst entscheiden. Die Skalierung Ihrer IT (Server, Desktops, Datensicherungen, usw.) hängt maßgeblich davon ab, in welche Praxis-Software-Lösung Sie investieren werden.

Nachwort

Die digitale Transformation wird nicht vor dem Gesundheitswesen halt machen. Die unzähligen „Apps“ für Smartphones, die medizinische Messdaten erfassen, erfreuen sich großer Beliebtheit und wir stehen hier erst am Anfang der technischen Möglichkeiten.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Markt erkennt, dass es auch medizinisch und vor allem therapeutisch Sinn macht, diese Daten in Praxis-Software einzuspielen und den behandelnden Kollegen zugänglich zu machen.

Das Thema Datensicherheit hat, insbesondere in Deutschland, zurecht eine sehr hohe Bedeutung. Die Nationalsozialisten und die Stasi haben hier mit Ihren Unrechtsregimen eine nachhaltige Wirkung hinterlassen. Aber gerade dieser Datenschutz, wird nach immer besseren IT-Lösungen rufen. Es ist ja nicht so, dass Papier und Aktenordner sicherer wären.

Unzählige Festplatten, aus alten Computern, landen täglich auf den Werkstoffhöfen der Republik. Selbst wenn diese mit Bohrmaschinen aufgebohrt worden sind, können Spezialisten die Daten meistens vollständig rekonstruieren. Ich bin mir sicher, dass leider auch sensible Daten aus dem Gesundheitswesen, häufig in Unkenntnis der Möglichkeiten der Rekonstruktion, so auf dem Müll landen. Zukünftige Lösungen für sensible Bereiche, wie das Gesundheitswesen, werden so funktionieren, dass Daten mit einem Klick sicher und unwiderruflich gelöscht werden können.

In Krankenhäusern können sensible Daten oft lokal kopiert werden. Das erscheint erst einmal praktisch. Aber diese Daten schlummern auf lokalen Festplatten, die irgendwann mit dem Computer sorglos entsorgt werden. Die meisten Krankenhausinformationssysteme (selbst von namhaften Hersteller wie SAP), haben ohne Drittanbieter keine eingebauten Audit-Möglichkeiten für solche Dateiexporte. Das heißt, es ist dann technisch nicht nachvollziehbar, wer Daten lokal kopiert hat. Im Fall Michael Schumacher konnte man sehen, wie leicht Daten „geklaut“ und missbraucht werden können.

Ein weiterer, wichtiger Treiber für neue IT-Lösungen im Gesundheitswesen, wird die verbesserte, vereinfachte und sichere Kommunikation zwischen Ärzten sein. Ebenso werden die Anforderungen der digitalen und papierlosen Kommunikation zwischen Patient und Therapeuten, und zwischen Ärzten und Kostenträgern, der digitalen Transformation einen weiteren Anschub geben.

Sowohl Ärzte als auch Patienten, werden in Zukunft verstärkt auf die Möglichkeiten zurückgreifen, sich global informieren zu können und zusammenzuarbeiten.

Die Transformation steht erst am Anfang, wird aber nicht aufzuhalten sein!